Immer wieder hören wir in letzter Zeit den Begriff des „bedingungslosen Grundeinkommens“. Doch warum?

Wir leben im 21. Jahrhundert und noch nie war unsere Gesellschaft in der Geschichte so hoch digitalisiert wie es aktuell der Fall ist. Das Internet ist dank moderner Mobilfunktechnologie überall verfügbar, wir schreiben eMails statt Briefe, bestellen unsere Pizza via App auf einem Smartphone statt telefonisch, sitzen in der Bahn und streamen unsere Lieblingsserien, usw. Einige Alltagsbeispiele die deutlich aufzeigen, dass moderne Technologien aus dem privaten Bereich nicht mehr wegzudenken sind.

Sicherlich werden jetzt wieder die Kritiker der digitalen Welt kommen und sagen, dass wir das alles vor 50 Jahren auch nicht hatten und trotzdem das Leben funktionierte. Ja, ihr habt Recht, doch warum sollte man an einen 40 Jahre alten Käfer festhalten, wenn man auch ein modernen Tesla fahren kann?

Die Digitalisierung unseres Alltags breitet sich natürlich auch immer mehr in der Arbeitswelt aus. Das beste Beispiel dafür ist die Automobilindustrie. Schaut man sich heute eine Werkshalle eines Autoherstellers an, wird man sehr schnell sehen, dass sich mehr Roboter als Menschen in ihr befinden. Der Vorteil für den Hersteller ist klar: Ein moderner Roboter ist wartungsarm, kann 24 Stunden pro Tag, 7 Tage die Woche und 365 Tage im Jahr arbeiten. Er ist nicht krank, hat keinen Urlaubsanspruch und er fordert auch keine regelmässigen Gehaltserhöhungen ein.

Durch moderne Programmiersprachen gelingt es mittlerweile Software Entwicklern Produkte zu entwickeln, die vor 10 Jahren noch Träumerein waren. Das Ergebnis: Intelligente Software, die selbstständig mitdenkt und handelt, ist keine Zukunftsmusik mehr sondern bereits in unserem heutigen Alltag im Einsatz.

Jobs werden überflüssig

Nehmen wir das aktuelle Bespiel der Allianz Versicherung AG. Diese hat im Juni 2017 entschieden, ca. 700 Arbeitsplätze abzubauen mit der Begründung, dass die Stellen aufgrund der Digitalisierung im Unternehmen überflüssig geworden sind. Der Hintergrund: Wer sich ein wenig mit dem Business einer Versicherung auskennt weis, dass dort sehr viele standardisierte Verwaltungsprozesse ablaufen. Diese Prozesse sind jedoch Vorgänge, die eigentlich kein menschliches Eingreifen mehr benötigen. Software mit vielen mathematischen Algorithmen kann solche Jobs heute problemlos erledigen, ohne dass eine menschliche Entscheidung notwendig ist.

Wir müssen uns vorbereiten

Auch wenn wir erst am Anfang der Digitalisierung stehen, müssen wir uns heute schon mit der Frage beschäftigen, wie soll es weitergehen, wenn die Entwicklung weiterhin rasant vorwärts geht? Was ist, wenn ganz viele Arbeitgeber dem Beispiel der Allianz AG folgen und womöglich massenhaft Jobs abbauen? Eine mögliche Lösung wäre das bedingungslose Grundeinkommen für jedermann, welches der Staat auszahlt.

Versuchen wir doch mal offen und ehrlich zu analysieren. Wieviele Menschen kennen wir, die in einem Bürojob beschäftigt sind? Ziemlich viele oder? Leider sind jedoch alle Bürojobs durch die Digitalisierung stark gefährdet. Wozu benötigen wir noch Sachbearbeiter, wenn eine Software alle Arbeiten über simple „Wenn-dann- Programmierung“ übernehmen kann? Wozu benötigt ein Geschäftsführer noch Assistenten, wenn er seinen Alltag mit einem Smartphone und intelligenter Sprachsteuerung selber organisieren kann?

Sicherlich werden durch die Digitalisierung zahlreiche neue Jobs entstehen, doch was machen wir mit alle den Menschen, die mit IT und modernen Technologien nichts zu tun haben wollen? Menschen, die keine Computer bedienen können / wollen?

Umdenken

In ca. 15 Jahren, so haben es zahlreiche Experten vorausgesagt,  wird die zunehmende Digitalisierung am Arbeitsmarkt spürbar werden. Die Arbeitslosenquote wird steigen, weil zahlreiche Berufsgruppen beginnen auszusterben. Ja, es kann auch sein, dass es zu Massenentlassungen kommen wird, weil Computer & Software unsere Jobs massenhaft übernehmen werden. Sicherlich werden auch neue Jobs entstehen, doch langfristig werden diese Jobs kein ausreichender Ersatz sein. Das was gerade auf uns zukommt, ist mit den 80er Jahren nicht zu vergleichen, denn damals waren Computer nur bessere Schreibmaschinen.

Zukunftsmusik

Was wollen wir also tun, wenn Maschinen unsere Arbeit übernommen haben und es keine neue Beschäftigungsfelder in ausreichender Anzahl gibt? Eine mögliche Lösung wäre das bedingungslose Grundeinkommen. Wenn jeder Mensch vom Staat pro Monat pauschal 500 EUR bekommen würde, könnten auch gering qualifizierte Menschen eine Perspektive haben. Auch für Arbeitgeber ist dieses Modell sehr attraktiv, denn es wäre schon ein Unterschied ob er einem Angestellten 3.000 EUR statt 3.500 EUR monatlich bezahlt, wovon letztendlich auch die Wirtschaft profitieren würde. Geringe Lohnkosten machen den Standort Deutschland und seine Produkte interessant.

Auch verwaltungsseitig wäre das bedingungslose Grundeinkommen ein Segen. Wenn alle Bürger einen pauschalen Anspruch auf eine feste monatliche Summe hätten, entsteht die Frage, ob man eine Agentur für Arbeit sowie die zahlreichen lokalen ARGE Ämter & Sozialämter überhaupt noch benötigt.

Fazit

Ich persönlich bin der festen Überzeugung, dass die Finanzierung eines bedingungsloses Grundeinkommens in Deutschland möglich ist und unterm Strich Bürger, der Staat sowie die Wirtschaft im Ergebnis nur davon profitieren würden.

Chris

Chris

Seit 1999 in der IT in den Bereichen Infrastruktur, Entwicklung und Beratung aktiv.
Zertifizierter Microsoft & Apple Spezialist.
Chris
Brauchen wir ein bedinungsloses Grundeinkommen? Ja!
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