Daten – die Geister die ich rief

März 2018 – Facebook soll mal wieder ein Datenleck gehabt haben. Diese Nachricht hat besonders in Deutschland hohe Wogen in den Medien geschlagen und vor allem Datenschützer trumpften mal wieder mit vollkommen überzogener Panikmache auf. 

Die neue Justizministerin Katarina Barley ging sogar soweit, dass sie Vertreter von Facebook ins Ministerium bestellt hat. Doch was bringt das ganze? Sollen wir jetzt alle unsere Facebook Accounts löschen, wozu die #deleteFacebook Kampagne aufgerufen hat?

Datenflut

Spätestens seit Beginn der kommerziellen Nutzung des Internets Ende der 90er Jahre sollte jeder wissen, dass schon beim Einschalten eines PC’s, Smartphones oder Tablets Daten entstehen, die durchaus gespeichert und weiter verarbeitet werden können. Selbst eine handelsübliche Waschmaschine neuerer Bauart legt mittlerweile Protokolldateien über ihren Betrieb an. Daten sind folglich überall und ein fester Bestandteil unseres Alltags, ähnlich wie die Luft die wir atmen.

Was tun?

Manchmal meine ich, dass Datenschützer am liebsten das gesamte Internet samt IT wieder abschaffen würden. Daten über Daten an jeder Ecke und eine Kontrolle derer ist unmöglich. Hier einige Beispiele:

  • deine PayBack Kundenkarte sammelt Daten über dich und dein Einkaufsverhalten
  • bezahlt du via EC oder Kreditkarte einen Einkauf, weiß deine Bank sowie der Dienstleister des Terminals, wann du wo und was gekauft hast
  • buchst du via App eine Fahrkarte, kennt das Unternehmen deine eMail Adresse, deine Zahlungsdaten und kann sogar bei regelmässiger Nutzung der App ein “Bewegungsprofil” über dich erstellen
  • nutzt du Social Media Plattformen wie Facebook, Instagram, Twitter, usw. können diese Plattformen “Persönlichkeitsprofile” von dir kreieren.

Die neue digitale Welt macht, wie es die wenigen Beispiele zeigen, sehr vieles einfacher, doch der Preis dafür sind unsere Daten. Daten, die in ihrer Form noch vor 20 Jahren niemals über uns erhoben hätten werde können.

Alles abschalten?

Sicher könnte man meinen, dass dies alles zu Ende wäre, wenn wir kein Internet etc. mehr hätten, doch der technologische Wandel lässt sich nicht mehr aufhalten. Was mich persönlich nachdenklich macht ist die Tatsache, dass unsere Daten in Masse von amerikanischen Großkonzernen die Facebook, Google oder Amazon gesammelt werden. Diesen drei Unternehmen ist etwas gelungen, was bisher noch niemanden gelungen ist. Sie haben es geschafft sich so dermaßen weltweit zu etablieren, dass sie dadurch Zugriff auf Milliarden von internationalen Datensätzen bekommen haben.

Datenschutz

Sicher werden jetzt etliche Leute sagen, dass wir Datenschutzgesetze haben und daher alles nicht so schlimm ist. Dem muss ich leider widersprechen. Als IT Spezialist kann ich euch sagen, dass zwischen Theorie und Praxis ein himmelweiter Unterschied besteht. Schon Ende der 90er Jahre konnte ich als Systemadministrator detailliert jeden einzelnen Mausklick auswerten, den Anwender auf einem PC getätigt haben. Alles was der Anwender auf seinem PC tat, konnte protokolliert und später ausgewertet werden. Richtig ist, dass solche Daten in Deutschland ohne Zustimmung des Betroffenen nicht verwendet werden dürfen, doch dies bedeutet nicht, dass sie nicht dennoch gespeichert werden.

Hilfe zur Selbsthilfe

Letztendlich sind wir an einem Punkt angekommen, wo der “Point of no return” schon längst überschritten wurde. Mit anderen Worten: Es gibt keinen Weg zurück. Jedoch gibt es ein paar Verhaltensregeln, die Datenauswertungen einschränken:

  1. Stelle dir selber die Frage, was du davon hast, wenn du dein Facebook Profil bis ins Detail ausfüllst. Deine Facebook Freunde sollten doch wissen, wo du wohnst, welchen Beruf du hast, welche Schule du besucht hast, etc.
  2. Orte bei Facebook Postings anzugeben mag witzig sein, doch damit kann FB auch ein Bewegungsprofil anlegen, sowie weitere Rückschlüsse über deine Person ziehen.
  3. Instagram lebt von Bildern, doch muss man wirklich jeden Schnappschuss posten? Auch diese geben in Masse ein Gesamtbild über dich und deinen Charakter ab.
  4. Messenger Dienste: Ich würde niemals vertrauliche Daten wie z.B. eine Bankverbindung via Messenger versenden.

Sicherlich wirst du jetzt ggf. sagen, dass du nichts zu verbergen hast und deine Daten als Einzelperson sowieso irrelevant sind. Doch dies könnte sich ändern …

Bisher ist es nur ein Gerücht, doch angeblich sollen sich die großen Internetkonzerne wie Facebook, Google & Co. zusammengetan und diversen Regierungen folgenden “Deal” vorgeschlagen haben –> die Übernahme von Sicherheitsprüfungen, z.B. bei der Einreise in ein Land. Hintergrund: Kein Land, keine Regierung der Welt, hat so viele Daten wie Facebook, Google & Co. . Daten, die sehr aussagekräftig über einen Menschen sein können. Schon heute wird man beispielsweise bei der Einriese in die USA drum gebeten, sein Facebook Profil anzugeben. Bisher ist die Angabe freiwillig, wirft jedoch gleichzeitig die Frage auf, warum wollen die Behörden diese Daten haben? Und wenn wir diesen Gedanken mal weiter denken, wer könnte noch Interesse an solchen “META-Daten” haben? Da fallen mir z.B. Banken ein, um die Kreditwürdigkeit eines Kunden besser beurteilen zu können. Versicherungen, damit das Risiko für evtl. auftretende Schadenfälle besser berechnet werden kann. Vermieter, damit das Risiko verringert werden kann, sich womöglich einen Mietnormaden ins Haus zu holen, der seine Miete nicht zahlt. Auch für Arbeitgeber wären solche Daten interessant, damit man sich im Bewerbungsverfahren ein noch besseres Bild darüber machen kann, ob ein Bewerber ins Unternehmen passt oder nicht. Wie ihr seht, sind Daten für viele Bereiche sehr interessant.

Fazit

Wie schon eingangs erwähnt, ist der “Point of no return” bereits überschritten. Wir werden den Fortschritt nicht mehr rückgängig machen können und werden folglich mit der Datensammelwut einschlägig bekannter Unternehmen leben müssen. Jedoch kann es sinnvoll sein nachzudenken, bevor man persönliche Daten ins WordWideWeb hoch lädt. BigData is watching you …

Chris

Chris

Seit 1999 in der IT in den Bereichen Infrastruktur, Entwicklung und Beratung aktiv.
Zertifizierter Microsoft & Apple Spezialist.
Chris

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