Facebook baut den News Feed um … was das für die Anwender bedeuten wird

In einem Post Anfang 2018 kündigt Mark Zuckerberg als Gründer und CEO von Facebook an, den News Feed seiner Anwender komplett umzubauen. Content offizieller Facebook Fanpages soll weniger Reichweite bekommen, dafür sollen private Posts wieder mehr gepusht werden. Die Änderungen werden als erstes in den USA implementiert und sollen danach weltweit ausgerollt werden.

Als ich die Nachricht hörte, freute ich mich sehr, denn auch ich war zunehmend davon abgenervt, dass mein News Feed eigentlich nur noch aus kommerziellen Posts bestand und die Posts meiner Freunde immer weniger wurden, obwohl meine Freunde nicht weniger gepostet haben. Der Algorithmus von Facebook bevorzugte halt Nachrichten und Posts von offiziellen Seiten, insbesondere Nachrichtenseiten. Warum? Es wird gemunkelt, dass Mark Zuckerberg Twitter endgültig den Todesstoss versetzen wollte, indem er Nachrichtenmeldungen auf Facebook pusht. So wären ggf. weitere Anwender von Twitter zu Facebook gewechselt und der langjährige Konkurrent wäre aus dem Weg geräumt.

Facebook hat durch diese Vorgehensweise aber auch für reichlich negative Schlagzeilen gesorgt, die Facebook nun sehr negativ belasten.

  1. Facebook wird nach wie vor vorgeworfen, die Wahlen in den USA, Frankreich sowie auch in Deutschland indirekt beeinflusst zu haben, weil Facebook nicht zwischen korrekten Nachrichten und Fake News unterschieden hat. Jeglicher Content wurde verbreitet.
  2. Ereignisse wie die Flüchtlingskrise in Deutschland sorgten dafür, dass sehr viele emotionsgeladene Diskussionen auf Facebook losbrachen, ohne das seitens Facebook der Inhalt der Posts großartig geprüft wurde. Folge: Fake News sowie zahlreiche strafrechtlich relevanten Posts wurden einfach stehen gelassen, was die Stimmung weiter einheizte. Letztendlich zwang die Bundesregierung mit dem neuen NetzDG Betreiber wie auch Facebook dazu auf, Content zu prüfen und strafrechtliche Inhalte sofort zu löschen. Sollte Facebook dies nicht tun, drohte der Gesetzgeber mit empfindlichen Strafen in Millionenhöhe.

Wer Facebook und Mark Zuckerberg von Anfang an beobachtet hat weiß, dass diese Punkte zu dem Grundgedanken von Facebook absolut nicht mehr kompatibel sind. Facebook sollte Spaß machen, jeden Tag sollte dort eine große virtuelle Party gefeiert werden. Doch von Party ist seit 2-3 Jahren auf Facebook nicht mehr viel zu sehen. Ständige Werbeposts sowie zahlreiche Nachrichten incl. teils absurder Diskussionen füllten die News Feeds der Anwender. Letztendlich machte es kam noch ein Unterscheid, ob man TV schaute oder sich den News Feed von Facebook anschaute. Auf beiden Plattformen wurden die mehr oder weniger gleichen Inhalte angeboten. Folge: Sehr viele Anwender verabschiedeten sich von Facebook, indem sie Facebook einfach nicht mehr nutzen.

Restart

Mark Zuckerberg will mit der Neustrukturierung des News Feeds anscheinend einen Neustart wagen um Anwender wieder für Facebook zu begeistern.  Letztendlich schlägt er jedoch mit seiner angekündigten Maßnahme auch 2 Fliegen mit einer Klappe. Durch das neue in Deutschland geltende NetzDG ist Facebook dazu verpflichtet, strafrechtlich relevante Posts schnellst möglich zu löschen. Dies Aufgabe kann jedoch nur von Menschen erfüllt werden, weil Zusammenhänge von Posts analysiert werden müssen. Nicht alles ist strafrechtlich relevant, auch wenn es auf den ersten Blick so aussehen mag. Die Analyse ist folglich nicht nur sehr personalintensiv, sondern letztendlich knall harte (mitunter langweilige) Arbeit die belastet und mit Spaß absolut nichts mehr zu tun hat. Schränkt Facebook folglich Nachrichten Inhalte in ihrer Reichweite ein, haben Analysten weniger zu tun und das Gro der Anwender ist begeistert, weil sie wieder häufiger Aktivitäten von Freunden zu sehen bekommen.

Fazit

Ich bin persönlich sehr gespannt, wann und wie Facebook seine Pläne umsetzen wird und wie am Ende der neue persönliche News Feed aussieht. Ein fader Beigeschmack bleibt jedoch. Wenn Facebook aktiv Diskussionen über Nachrichten und Politik einschränkt, weil man sie nicht mehr sieht, schränkt dies auch den Meinungsaustausch ein. Ich jedenfalls habe durch Facebook erfahren, dass die Stimmung in unserem Land eigentlich eine ganz andere ist, als uns Massenmedien mit ihren Nachrichten vorgaukeln wollen. Das erinnert mich alles ein wenig an Julius Cäsar, der seinerzeit den Pöbel damit ruhig gestellt hat, indem er “Brot & Spiele” einführte. Seine These: Wer angenehm abgelenkt ist, hört auf unbequeme Fragen öffentlich zu stellen …

Chris

Chris

Seit 1999 in der IT in den Bereichen Infrastruktur, Entwicklung und Beratung aktiv.
Zertifizierter Microsoft & Apple Spezialist.
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