Industrie 4.0

In den letzten Wochen hört man immer wieder das Wort “Industrie 4.0”, doch niemand scheint überhaupt zu wissen, was sich dahinter verbirgt. In diesem Artikel versuche ich ein wenig Licht ins Dunkle zu bringen, denn es betrifft uns alle.  

Deutschland im Jahre 2016. Fast jeder besitzt ein Smartphone und hat mindestens einen PC zu Hause stehen. Wir ordern unsere Pizza Bestellung via App eines Lieferdienstes, schreiben täglich hunderte von Kurznachrichten via WhatsApp und wenn wir erfahren wollen was in unseren Freundeskreis passiert ist, reicht ein kurzer Blick in die Timeline von Facebook oder Instagram. Das Internet und seine damit verbunden Technologien sind aus unserem Alltag so gut wie nicht mehr wegzudenken, da vieles vereinfacht wird.

Was wir im privaten Bereich als nützlich empfinden, wird auch immer mehr im beruflichen Umfeld für Unternehmen interessant. Produktionsabläufe können mittlerweile dank moderner Robotertechnik komplett automatisiert werden und auch im Verwaltungsbereich sind moderne Softwareprodukte in der Lage, eine Masse von bisher manuell durchzuführenden Aufgaben zu automatisieren. Das beste Beispiel dafür ist Amazon.

Geht eine Bestellung ein, erhält der Kunde automatisch eine Auftragsbestätigung via eMail. Der Auftrag wird vollautomatisch ans nächste Logistikzentrum übermittelt, wo ein Roboter in einem riesigen Hochregal-Lager  den gewünschten Artikel sucht und an die Verpackungsstrasse weiter gibt. Bis hier hin hat nicht ein einziger Mensch eingreifen müssen, weil der Prozess voll automatisiert stattfindet. Lediglich in der Verpackungstrasse muss noch manuell von einem Menschen der Artikel ggf. richtig verpack werden, bevor die Bestellung wieder voll automatisiert an das Logistikunternehmen übergeben wird. Amazon ist dank dieser vollautomatisierten Prozesse in der Lage, tausende von Bestellungen pro Stunde abzufertigen, ohne dafür hunderte von Mitarbeitern beschäftigen zu müssen. Roboter können 24 Stunden pro Tag, 7 Tage die Woche, 365 Tage im Jahr durcharbeiten, ohne müde zu werden oder gar Urlaubsansprüche gelten zu machen. Der Mensch hat nur noch die Aufgabe, die automatisierten Prozesse zu überwachen.

Bliebe somit die Frage, was passiert mit Millionen Arbeitnehmern, wenn diese gegen Maschinen ausgetauscht werden?

Die gute Nachricht vorweg. Einige Bereiche z.B. das Handwerk kann aufgrund seiner Individualität nur sehr schwer digitalisiert werden. Sicherlich können Roboter entwickelt werden, die z.B. ein Dach decken können, doch die Entwicklungskosten dafür dürften in keinem ordentlichen Verhältnis zum Kosten- / Nutzenfaktor stehen.

Nun die schlechte Nachricht, die leider die breite Masse betreffen wird. Wir müssen uns damit auseinandersetzen, dass ein großer Teil unserer bisherigen Jobs in 10-20 Jahren von Robotern und Computern erledigt werden wird, weil die “Arbeitskraft Mensch” schlicht überholt sein wird.

Mit Hilfe moderner Software und intelligent programmierter Algorithmen lässt sich z.B. Verwaltungsarbeit komplett automatisieren. Heißt, wenn Computer Angebote, Rechnungen sowie die Buchhaltung vollautomatisiert erstellen können, benötigt man dafür keine Arbeitskraft in Vollzeit mehr.

Gleiches zeichnet sich heute schon im Einzelhandel ab, der aufgrund von zahlreichen Onlineshops wie Amazon, Zalando & Co. teils starke Umsatzrückgänge zu verzeichnen hat. Folge: Die Anzahl der geschlossenen Ladenlokale wächst bundesweit.

Sicherlich werden Kritiker jetzt sagen, dass dies Schwarzmalerei ist. Ich sage jedoch, dass dies die Folgen des nicht mehr aufzuhaltenden Fortschritts sein werden. Unsere Gesellschaft verändert sich aufgrund des digitalen Fortschritts radikal und der Prozess ist nicht mehr zu stoppen. Sicherlich stehen wir, besonders in Deutschland, gerade erst am Anfang des “Industrie 4.0 Zeitalters” doch schon heute sollten wir uns Gedanken machen, wo die Reise hingehen wird und entsprechende präventive Maßnahmen ergreifen.

Nehmen wir ein Beispiel, was jeder von uns kenne sollte … der Kohlenhändler.

Vor 40 Jahren war dies ein krisensicherer Job, denn jeder Haushalt musste mit Kohlen seine Wohnung heizen. Dann kamen jedoch neue Heiztechniken wie Öl oder Fernwärme auf den Markt und das Geschäft des Kohlenhändlers ging rapide zurück. Heute gibt es keine Kohlenöfen mehr und folglich ist auch der Beruf des Kohlenhändler nahe zu ausgestorben.

Viele heutige Berufe wird es in den kommenden 10-20 Jahren ähnlich ergehen wie dem Kohlenhändler seinerzeit, weil sie durch moderne Computer & Software digitalisiert werden.

Persönliches Fazit

In ca. 10-20 Jahren wird eine Vielzahl heutiger Berufe überflüssig sein. Roboter- & Computertechnik werden etliche Jobs übernommen haben. Selbst IT Spezialisten werden von dieser Entwicklung betroffen sein, weil nicht genügend Arbeit vorhanden sein wird. Daher komme ich zu dem Fazit, dass unser heutiges Wirtschafts- & Sozialsystem in Deutschland zukünftig ohne ein staatlich finanziertes “bedingungslosen Grundeinkommens” nicht mehr funktionieren wird.

Chris

Chris

Seit 1999 in der IT in den Bereichen Infrastruktur, Entwicklung und Beratung aktiv.
Zertifizierter Microsoft & Apple Spezialist.
Chris

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