StartUp’s und ihre Ideen

Noch nie wurde von so vielen Start Up Ideen berichtet, wie aktuell im Jahre 2016. Sendungen wie “Die Höhle der Löwen” (VOX) pushen die Idee, sich selbstständig machen zu wollen.

Selbstständigkeit … klingt erstmal alles total super. Man ist sein eigener Chef, kann tun und lassen was man will und kann sich auch Freiheiten herausnehmen, die man als Angestellter in der Regel nicht hat. So denken zumindest viele.

Die Realität ist leider eine andere. Wer Chef sein will muss auch als Chef auftreten und entsprechend Ahnung haben. Heißt konkret, dass alle Unternehmensbereiche wie Produktentwicklung, Marketing, Vertrieb sowie Akquise von Aufträgen erstmal Chefsache sind. Blöd, wenn man von den genannten Themen keine Ahnung hat und womöglich Personal dafür braucht. Noch blöder ist es, wenn das Kapital nicht dafür ausreicht, kompetentes Personal anzuwerben und letztendlich auch dauerhaft beschäftigen zu können.

Was tun?

Bevor man gründet sollte man knallhart und realistisch analysieren, ob man mit seiner Geschäftsidee überhaupt erfolgreich sein kann. Gerade im Bereich der IT und Entwicklung von Apps gibt es ziemlich viele Ideen, die sich aber schnell als Rohrkrepierer herausstellen, weil sie nicht zu Ende gedacht wurden. Laut dem Bundesamt für Statistik gehen 9 von 10 StartUp Unternehmen bereits im ersten Geschäftsjahr pleite.

Negativbeispiel Messenger App

Wir alle kennen verschiedene Messenger Apps wie Threema, SnapChat, Telegramm usw. doch WhatsApp ist nach wie vor der Platzhirsch am Markt. Warum? WhatsApp war das erste Unternehmen am Markt, welches auf die wachsende Anzahl von Smartphone Besitzern reagierte und eine durchdachte, kostenlose App zur Verfügung stellte, die eine super Alternative zur kostenpflichtigen SMS war.

Ergebnis: Wer damals anfing WhatsApp zu nutzen und damit bis heute zufrieden ist, wird diese App auch weiterhin nutzen, weil es für einen normalen Anwender einfach keinen besonderen Grund zum wechseln gibt.  Jeder der jetzt auf die Idee kommt eine weitere Messenger App zu entwickeln, ist eigentlich zum scheitern verurteilt. Selbst großen, finanzstarken Unternehmen wie z.B. der Telekom ist es nicht gelungen, eine eigene Messenger App am Markt zu platzieren, weil die Kunden bei WhatsApp blieben.

Beispiel Facebook vs. Google+

Ein noch krasseres Beispiel für eine Fehlentwicklung ist Google+.

Facebook ist heute mit über 1,5 Milliarden aktiven Nutzern (eigene Angaben von Facebook) die weltweit größte und erfolgreichste Social Media Plattform. Das Unternehmen Google wollten dies nicht akzeptieren und entwickelte seine eigene Social Media Plattform mit dem Namen Google+, die im Juni 2011 online ging.

Ergebnis: Trotz reichlich vorhandenem Kapital und allen Möglichkeiten des Marketings, blieben die User bei Facebook und Google+  dümpelt bis heute dahin. Gerüchten zufolge, soll Google+ sogar komplett vom Markt verschwinden und ähnlich wie seiner Zeit “StudiVZ” abgeschaltet werden.

Ideen sind vorhanden

Wie bei #DHDL gut zu sehen ist, gibt es reichlich Ideen und auch eine Menge mutiger Menschen die bereit sind ihre Ideen umzusetzen. Doch eine Frage scheint immer wieder nicht ehrlich genug beantwortet zu werden: “Gibt es für meine Idee überhaupt einen Markt?”.

Überangebot

Wir leben im 21. Jahrhundert und ad-hoc fällt mir nichts ein, was es nicht schon gibt. Die AppStores von Apple und Google platzen aus allen Nähten mit Apps, wovon sehr viele das gleiche machen. Die zahlreich angepriesenen Alleinstellungsmerkmale (USP) sind jedoch bei genauer Betrachtung verschwindend gering.

Auch am Dienstleistungsmarkt gibt es kaum noch eine Nische, die nicht bereits gefüllt ist. Findet man doch eine freie Nische, ist diese häufig unrentabel, weil der Kosten-Nutzen-Faktor nicht erfüllt wird.

Bleibt letztendlich eigentlich nur ein ein Markt: Eigene (nützliche) Dinge erfinden, diese produzieren und darauf hoffen, dass sie nicht kopiert werden. Hier gibt es noch durchaus Potenzial.

Persönliches Fazit

Ich will keinem Gründer seine Idee madig reden, doch die Zahlen vom Bundesamt für Statistik sprechen ihre eigene Sprache. Überlegt und analysiert daher gut, ob eure Idee tatsächlich Marktreife besitzt. Es geht beim Gründen nicht nur um das Realisieren einer Idee, sondern letztendlich auch um Kapital. Kapital was in der Regel nicht euch gehört sondern Banken und Investoren. Folglich wäre es fatal, wenn dieses Geld mit einer “nicht durchdachten Idee” verbrannt wird.

In über 10 Jahren Zusammenarbeit mit Gründern, habe ich sehr viele kommen und gehen gesehen. Die breite Masse ist jedoch insolvent gegangen, weil ihre “Vision” nichts weiter wie ein schöner Tagtraum war. Ideen müssen die Masse ansprechen, so wie es seiner Zeit Mark Zuckerberg mit Facebook getan hat.

Chris

Chris

Seit 1999 in der IT in den Bereichen Infrastruktur, Entwicklung und Beratung aktiv.
Zertifizierter Microsoft & Apple Spezialist.
Chris

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