In den letzten Wochen und Monaten tauchen immer wieder die Wörter Digitalisierung oder Industrie 4.0 in den Medien auf. Leider wissen die wenigsten, was es damit auf sich hat, weil dieses Thema u.a. von der Politik rigoros tot geschwiegen wird.

Digitalisierung oder Industrie 4.0 beschreiben, wie Roboter, künstliche Intelligenz (KI) und moderne Software Produkte schon in wenigen Jahren unser gesamtes gesellschaftliches Denken komplett verändern werden, weil der Mensch als Arbeitskraft in vielen Bereichen schlicht weg überflüssig werden wird.

Die Lage heute

Wir stehen morgens auf, gehen zu einem Job und kommen Abends wieder nach Hause. Die breite Masse macht dies seit Jahren, 40 Stunden pro Woche. Warum? Weil wir durch Arbeit unserer Leben finanzieren und zudem genügend Arbeit für jedermann vorhanden ist. Doch was wollen wir machen, wenn keine Arbeit mehr da ist?

Digitalisierung

Digitalisierung bedeutet nicht, dass auf jedem Arbeitsplatz in einer Firma ein PC steht, sondern dass ganze Prozesse (Workflows) komplett digitalisiert werden können, ohne das ein Eingriff des Menschen mehr notwenig ist. Hier zwei Beispiele (aktuell und zukünftig):

Beispiel A: 

Firma Mustermann verkauft Waren. Aktuell müssen die Bestellungen von Menschenhand erfasst und weiterverarbeitet werden. Menschen müssen die Bestellungen händisch zusammen stellen, händisch prüfen und auch die Rechnung wird händisch freigegeben und erstellt. Ohne die Arbeitskraft Mensch, würde dieser gesamte Workflow nicht funktionieren.

Beispiel B:

Ein weltweit bekanntes Handelsunternehmen empfängt seine Aufträge / Bestellungen ausschließlich digital via Onlinestore. Die Aufträge werden via Zentralcomputer in das entsprechende Lager transferiert. Das moderne Hochregallager ist volldigitalisiert und die Aufträge werden nur noch von Robotern zusammen gestellt. Ein modernes Scansystem prüft die Bestellung auf Vollständigkeit. Danach wird die Ware durch einen weiteren Roboter automatisch verpackt und einem Logistikunternehmen zum Versand zugeführt.  Der Mensch hat in diesem Unternehmen nur noch die Aufgabe die Prozesse zu überwachen und ggf. bei technischen Pannen einzugreifen.

Auch im gesamten Bürobereich lassen sich schon heute sehr viele Arbeitsprozesse voll digital abbilden, ohne dass ein Mensch eingreifen muss. Die Allianz AG hat im Sommer 2017 den ersten Schritt zur Digitalisierung umgesetzt und musste daher 500 Mitarbeiter entlassen. Grund: Für die Mitarbeiter hat es einfach keine Arbeit mehr gegeben.

Schwarzmalerei? Nein!

Viele Menschen, mit denen ich mich über dieses Thema unterhalten habe werfen mir vor, dass ich die Zukunft wesentlich schlimmer darstellen würde, als sie tatsächlich kommen würde. Leider muss ich dem ganz klar widersprechen. Ich male nicht schwarz, sondern versuche dazustellen, was moderne IT heute leisten kann. War ein Computer Anfang der 80er Jahre nur eine bessere Schreibmaschine, kann ein Computer heute in Verbindung mit moderner Software selbstständig denken und auch die entsprechenden Entscheidungen treffen, die bisher Menschen getroffen haben.

Auch Unternehmen erkennen zunehmend, was moderne IT alles leisten kann. Da IT 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche, 365 Tage im Jahr ohne Pause zur Verfügung steht, werden sich die Unternehmen dies immer mehr zum Nutzen machen, ihre Produktivität und letztendlich auch ihre Umsätze dadurch zu steigern.

Das beste Beispiel dafür ist die deutsche Automobilindustrie. Blickte man vor 20 Jahren in eine Fertigungshalle, so sah man dort hunderte von Mitarbeitern arbeiten. Blickt man heute in die gleiche Fertigungshalle, so sieht man sehr viele Roboter, aber kaum noch Menschen.

Das Denken ändern

Die negative Denkweise „Maschinen nehmen uns unsere Arbeit weg.“ halte ich für falsch. Viel mehr sehe ich die positiven Aspekte, dass Maschinen uns unbequeme Arbeiten abnehmen und wir als Mensch dadurch mehr Zeit für schönere Dinge gewinnen. Frei nach dem Motto: „Warum soll ich einen körperlich anstrengenden Job machen, wenn dieser auch von einer Maschine wesentlich effizienter übernommen werden kann?“. Für mich eine klare Win-Win Situation.

Die Herausforderung

Problematisch scheint der Weg in das digitales Zeitalter, weil der Leistungsgedanke dadurch nicht mehr erfüllt sein wird. Wenn künstliche Intelligenz uns viele Arbeiten abnehmen, was bleibt dann für uns, der Arbeitskraft Mensch, übrig? Mit welcher Argumentation soll „Entlohnung“ verhandelt werden, wenn Arbeit gar nicht mehr direkt von uns Menschen erledigt wird? Was wollen wir mit Millionen Arbeitskräften machen, für die schlicht weg keine Arbeit mehr im ausreichenden Maß vorhanden ist? Ein möglicher Lösungsansatz ist das bedingungslose Grundeinkommen.

Fazit

Wir als Gesellschaft stehen am Anfang einer neuen Zeitepoche, die in die Geschichte eingehen wird. Nach dem Industriezeitalter wird das digitale Zeitalter folgen, welches unsere gesamte Gesellschaft zu einem radikalen Umdenken zwingen wird. Ob es uns gelingt, werden wir sehen.

Chris

Chris

Seit 1999 in der IT in den Bereichen Infrastruktur, Entwicklung und Beratung aktiv.
Zertifizierter Microsoft & Apple Spezialist.
Chris
Warum wir aufgrund der Digitalisierung umdenken müssen
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